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Stellungnahmen 

In diesem Bereich werden ausgewählte Schriften aus der Arbeit dieses Gremiums veröffentlicht.

2016

Erklärung des Runden Tisches der Religionen in Deutschland

zur Flüchtlingsfrage

Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.“

Levitikus / 3. Mose 19,33-34

Jesus spricht: „Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen oder nicht aufgenommen. ... Was ihr für meine geringsten Brüder und Schwestern getan habt oder nicht getan habt, das habt ihr mir getan oder nicht getan.“

Nach Matthäus 25,35.40

O ihr Menschen. Wir haben euch von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Verbänden und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott, das ist der Gottesfürchtigste von euch. Gott weiß Bescheid und hat Kenntnis von allem.

Koran Sure 49,13

Die Erde ist eine Heimat. Alle Menschen sind ihre Bürger.“

Baha’u’llah

Sieh jeden Bittenden als deinen spirituellen Meister an.“

Vimalakirti Sutra (Buddhismus)

Die Aussagen unserer heiligen Schriften im Blick auf Fremde, auf Bedürftige und auf das Verhältnis der verschiedenen Völker zueinander sind eindeutig. Sie entsprechen der zentralen Aussage der Menschenrechtserklärung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Für Menschen, die in den Traditionen ihrer Religionen leben, sind sie verbindlich. Fremdenfeindlichkeit und Fanatismus dürfen nicht religiös begründet werden!

Für die Religionsgemeinschaften ergeben sich in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise folgende Maßstäbe:

Bei allen notwendigen Maßnahmen ist die Würde jedes einzelnen Menschen und die Perspektive eines gelingenden Zusammenlebens national und international zu achten.

Das gilt für die Bekämpfung der Fluchtursachen ebenso wie für die Versorgung in den Flüchtlingslagern der verschiedenen Länder, für die Aufnahme in Deutschland und auch für unvermeidliche Rückführungen.

Wir setzen uns insbesondere ein für gemeinsame Aktionen der Religionsgemeinschaften im nationalen wie im internationalen Rahmen. Dabei hat die Freiheit in umfassendem Sinne für uns besonderes Gewicht, indem wir verfolgten und marginalisierten Gruppen zur Seite stehen wollen.

Alles, was einem Willkommensklima in unseren Gemeinden und unserer Gesellschaft dient - in Begegnung, Verständigung und Kooperation -, unterstützen wir aus tiefer Überzeugung.

Für die Mitglieder des Runden Tisches der Religionen in Deutschland (RT/D)

aus dem Zentralrat der Juden, der evangelischen Kirche, der römisch-katholischen Kirche, der orthodoxen Kirche, der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), dem Islamrat, dem Zentralrat der Muslime, der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) und dem Nationalen Geistigen Rat der Baha'i".

gez. Dr. Franz Brendle

 

Geschäftsführer des RT/D

 

2015

    Erklärung des Runden Tisches der Religionen in Deutschland

Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland teilt das allgemeine Erschrecken über die religiös verblendeten Terroristen in Frankreich gegen die Redaktion der Zeitschrift und gegen die Besucher des jüdischen Supermarktes Hyper Cacher. Er verurteilt Hass und Gewalt, ausdrücklich auch dann, wenn sie im Namen der Religion ausgeübt werden. Wer kaltblütig mordet und sich dabei auf Gott bezieht, beleidigt in Wahrheit Gott und alle an ihn glaubenden Menschen.

Wir sprechen den Opfern der Angriffe und ihren Familien unser tiefstes Mitgefühl aus.

Wir erinnern aber auch daran, dass terroristische Bewegungen in vielen Teilen der Welt das Zusammenleben der Religionen torpedieren. Ebenso treten wir mit Entschiedenheit auch den Kräften gegenüber, die die Religionsfreiheit für Muslime in Europa bestreiten. Wir unterstützen deshalb Kundgebungen und Initiativen, die für das friedliche Zusammenleben von Menschen eintreten, die verschiedenen Religionen angehören.

Der Runde Tisch wird weiter für die Einheit und die Verständigung unter den Religionen in Deutschland arbeiten. Verständnis und Dialogbereitschaft müssen das Anliegen der Religionen in Deutschland bleiben.

Dr. Franz Brendle (Geschäftsführer)

 

 

2014

 

Stellungnahme zur Situation der Bahais im Iran

Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland, dem führende Vertreter der Religionsgemeinschaften in Deutschland angehören, hat anlässlich seiner Sitzung am 06.11.2014 in Osnabrück zum Tag der Religionen folgende Stellungnahme verabschiedet:

„Der Mittlere Osten ist derzeit Zeuge dramatischer Konflikte, die unfassbare menschliche Tragödien auslösen und zudem eine starke Belastung des religiösen Miteinanders zur Folge haben, die sich auf die Angehörigen aller Religionen auswirkt.

Die jüngste Initiative des Iranischen Ayatollah Masoumi-Tehrani, der mit einer künstlerisch-kaligrafischen Verzierung einer zentralen Bahai-Schrift die Hand zur Versöhnung ausstreckte, ist ein mutiger Aufruf zu einem friedvollen Miteinander.

Hiermit setzt der Ayatollah seine vor einigen Jahren begonnene Initiative mit ähnlichen symbolhaften Schritten gegenüber Juden und Christen fort. Sein Aufruf, sich für den „Respekt für die angeborene Würde des Menschen, für das Zusammengehörigkeitsgefühl und das friedliche Zusammenleben ungeachtet der Religionszugehörigkeit, Konfession oder Überzeugung“ einzusetzen, verdient unsere volle Unterstützung.“

Für den Runden Tisch der Religionen in Deutschland

                                Dr. Franz Brendle

                                                   Geschäftsführer

 

 

 

2013

 

Menschenrecht Religionsfreiheit

Angesichts der aktuellen Bedrängnisse und Verfolgungen, denen Religionsgemeinschaften in vielen Ländern der Erde ausgesetzt sind, besonders wenn sie eine Minderheit bilden, hebt der Runde Tisch der Religionen in Deutschland den umfassenden Sinn des Menschenrechts Religionsfreiheit hervor.

Grundlegend ist Art. 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in dem es heißt:

"Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit."

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland betont das noch ausführlicher. In Artikel 3 Abs. 3 heißt es:

"Niemand darf wegen ... seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen An­schau­ungen benachteiligt oder bevorzugt werden."

Und in Artikel 4:

"(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsübung wird gewährleistet."

Will man sichtbar machen, was diese Bestimmungen bedeuten, so kann man folgende Einzelpunkte nennen:

  • Jeder Mensch darf eine Religion haben.
  • Er darf sich öffentlich dazu bekennen.
  • Er darf sie ausüben.
  • Er darf wegen seiner Religion oder einer nichtreligiösen Überzeugung nicht benachteiligt oder bevorzugt werden.
  • Er darf seine Religion wechseln.
  • Er darf seine Religion verlassen.
  • Er darf auch keine Religion haben.
  • Er darf für seinen Standpunkt eintreten.

 Einschränkungen der Religionsfreiheit können verschiedene Gründe haben:

  •  Der Absolutheitsanspruch einer Religionsgemeinschaft, besonders, wenn dieser  mit der Kulturtradition eines Landes verknüpft wird und deshalb andere religiöse und weltanschauliche Orientierungen marginalisiert, ausgrenzt oder sogar bekämpft werden.
  •  Die soziale Struktur, wenn z. B. die Anhänger einer Religionsgemeinschaft als wirtschaftlich erfolgreicher gelten, andere sich als benachteiligt erfahren.
  • Das Vorherrschen  von Säkularismus bzw. einer säkularen Ideologie in bestimmten Staaten, die die Religionsgemeinschaften als negativ für die Gesellschaftsentwicklung einstufen und sie deshalb in ihrem öffentlichen Wirken einschränken oder sogar bekämpfen.

Wir erklären demgegenüber:

Religionsfreiheit in vollem Sinn ist die Freiheit „für“, „in“ und „von“ Religionen.

  • Religionsfreiheit „Für“ beinhaltet das Recht, eine Religion zu haben, sie auszuüben, sie öffentlich zu vertreten und für sie einzutreten.
  • Religionsfreiheit „In“ bedeutet die Notwendigkeit, konfessionelle Vielfalt innerhalb der Religionen zuzulassen; das Recht, eine Religion/ein Bekenntnis zu wechseln.
  •  Religionsfreiheit „Von“: bezieht sich auf das Recht, keine Religion zu haben, eine Religion zu verlassen, und das Recht, religiöse wie nichtreligiöse Standpunkte zu kritisieren.

 Die Grenzen der Religionsfreiheit liegen da, wo sich eine Religion- oder eine Weltanschauungsgemeinschaft gegen Freiheiten richtet, die das Grundgesetz garantiert.

(Erklärung des Runden Tischs der Religionen in Deutschland vom 24.10.2013)

 

 

 

Legt Gewalt ab, sucht Versöhnung!

 

Erklärung des Runden Tisches der Religionen in Deutschland 

Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland, dem namhafte Vertreter der christlichen Kirchen, der islamischen Verbände, der jüdischen Religionsgemeinschaft, der Baha‘i und der Buddhisten angehören,  ist erschüttert über die Verhärtung der Fronten und die eskalierende Gewalt in Ägypten und Syrien.

Alle am Runden Tisch vertretenen Religionsgemeinschaften sind zutiefst alarmiert  über die menschlichen Tragödien in Syrien und Ägypten. Die notleidenden Menschen dort, aber auch die bedrängten religiösen Minderheiten, verdienen einen entschiedeneren Einsatz der politisch Verantwortlichen.  Kirchen werden zerstört, Moscheen in Brand gesetzt, Muslime gegen Christen aufgehetzt und umgekehrt, was bis zum Mord an Angehörigen von Religionsgemeinschaften führt. Wir trauern mit den Angehörigen der Todesopfer.

Diese Vorgänge erschrecken uns zutiefst. Gewalt gegen Angehörige anderer Religionsgemeinschaften ist ein Verrat an den Religionen selbst. Wir stehen in Solidarität mit den Christen und Muslimen, die gemeinsam der Zerstörungswut entgegentreten. Unsere Religionen verpflichten dazu, sich von allem Fanatismus abzuwenden und Schritte zur Versöhnung zu gehen.

Wir bitten die verantwortlichen Politiker in unserem Land, im Kontakt mit den Verantwortlichen in Ägypten und Syrien sich dafür einzusetzen, dass die Exzesse umgehend beendet und der Schutz der Religionsgemeinschaften wieder  hergestellt wird. Hass und Gewalt machen jede Hoffnung auf eine friedliche Koexistenz der Religionen zum Wohl dieser Länder zunichte.

 

Dr. Franz Brendle

 

Geschäftsführer des Runden Tisches der Religionen in Deutschland

Stuttgart, 24.08.2013

 

 

 

Offener Brief an den Iranischen Präsidenten Ayatollah Khamenei

Exzellenz, 

Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland – ein Gremium hochrangiger Repräsentanten der großen Religionsgemeinschaften in Deutschland – sendet Ihnen und dem gesamten iranischen Volk seine herzlichen Glückwünsche zum Nawruz-Fest 1392.

Nawruz verkörpert eine weltweit geschätzte iranische Tradition zum Frühlingsanfang, die immer wieder mit dem Gedanken der Erneuerung in Verbindung gebracht wird.

Vielen Menschen bleibt an Nawruz nur die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auch zahlreiche Bürger Ihres Landes leben von der Hoffnung, dass ihnen elementare Menschenrechte gewährt werden. Andersdenkende und Andersgläubige sind besonders schutzbedürftig. Wir denken insbesondere an Menschen christlichen Glaubens und an Bahá'í. Letztere sind nach jüngsten Medienberichten besonders in der Provinz Semnan Übergriffen ausgesetzt.

Wir appellieren an Sie, den religiösen Führer des Iran, dass auch diesen Menschen der ihnen durch die Menschenrechte zugesagte Schutz gewährt werde. Mögen alle Bürger Ihres Landes willkommen sein, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und zum Gemeinwohl beizutragen.

Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland

Mainz, den 6. März 2013

Mitglieder des Runden Tisches der Religionen:

Für den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í:

        Dr. Nicola Towfigh

Für die Deutsche Buddhistische Union:

        Michael Gerhard

Von der Evangelischen Kirche:

        Bischof Prof. Dr. Martin Hein

        Dr. Martin Affolderbach

Von der Römisch-katholischen Kirche:

     Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke

        Dr. Timo Aytac Güzelmansur

 

Von der Orthodoxen Kirche

     Prof. Dr. Assaad Elias Kattan

 

Geschäftsführer:

        Dr. Franz Brendle

Stellvertretender Geschäftsführer:

        Prof. Dr. Johannes Lähnemann

 

 

 

2011

Presseerklärung des Runden Tisches der Religionen in Deutschland
anlässlich des „Tages der Religionen“ in Hagen


Hagen, 17. November 2011 – Als Mitglieder des Runden Tisches der Religionen in Deutschland äußern wir unser Entsetzen über die Mordserie, die Deutschland überzogen hat und die rechtsradikalen Hintergrund hat.
Wir fühlen mit den Opfern und den Familien, die von diesen kaltblütigen Grausamkeiten betroffen sind. Wir erwarten konsequente Arbeit an der nötigen Aufklärung.
Wir wenden uns gegen allen Fanatismus und alle Formen von Fremdenfeindlichkeit. Toleranz gegen Intoleranz darf es nicht geben.
Wir ermutigen alle Gruppen in unserer Gesellschaft zu Solidarität miteinander und zu Wachsamkeit gegenüber allem, was unser freiheitlich demokratisches Miteinander bedroht.

 


2010

Vertrauen schaffen Kurztext

Vertrauen Schaffen Manifest

 

2006

Recht auf Religionsfreiheit

 

2004

Religionen gemeinsam für Toleranz und Integration

 

2002

Nachhaltig zusammenarbeiten

 

2001

Tag der Religionen in Deutschland

 

2000

Konturen eines Krisenmanagements

 

1998

Brief der Religionen an die Religionen